Editorial

Inhalte

Catulls Carmen 49 – wenn ein überschwängliches Lob peinlich wird


Catulls Carmen 49 – wenn ein überschwängliches Lob peinlich wird


Der Lateinschüler und die Lateinschülerinnen der 26g befassten sich mit einem Hendecasyllabus (Elfsilbler) des Dichters Gaius Valerius Catullus, einem Neoteriker des ersten Jahrhunderts v.u.Z.

 

Text Max Bratschi

 

Catull war Zeitgenosse von Caesar, Pompeius und Marcus Tullius Cicero. Cicero war Philosoph, Staatsmann und herausragender Jurist, der seine steile Karriere als homo novus – als Aufsteiger aus dem Ritterstand – im Jahre 63 mit dem Konsulat krönte. Wie sind die Zeilen zu verstehen? Lesen Sie hier einen Interpretationsvorschlag.

 

Lateinisches Original des Carmen 49

Disertissime Romuli nepotum,

quot sunt quotque fuere, Marce Tulli,

quotque post aliis erunt in annis,

gratias tibi maximas Catullus

agit pessimus omnium poeta,

tanto pessimus omnium poeta,

quanto tu optimus omnium patronus.

 

Deutsche Übersetzung

Marcus Tullius, Du redegewandtester aller Römer,
wie viele es gibt und gab und später in anderen Jahren geben wird:
Catull, der schlechteste Dichter von allen, dankt dir allerherzlichst,
der um so viel der schlechteste aller Dichter ist
um wie viel du der beste aller Verteidiger bist.

 

Interpretation von Léa Spart, Michelle Koch, Noam Christen, Leonie Baumgartner, Anna Zimmermann, Laura Stieglitz, Selma Frederiksen

Ab wann hat ein Lob keinen Wert mehr? Von aussen wirkt das Carmen 49 Cicero gegenüber sehr positiv. Je länger man sich jedoch damit befasst, desto mehr kann es als Beleidigung aufgefasst werden.

 

Catull und Cicero hatten sehr unterschiedliche politische Meinungen. Cicero war Politiker der Optimaten und einer der besten Anwälte der damaligen Zeit. Catull war Dichter und Neoteriker. Die von Cicero verabscheuten Neoteriker kritisierten das damalige politische System und stellten erstmals neue Ideen wie zum Beispiel menschliche Gefühle in ihren Gedichten in den Vordergrund.

 

Mit dem Stilmittel der Hyperbel, die besagt, dass Cicero der beste Anwalt der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft sei, unterstreicht Catull seine sarkastische Aussage. Er bezeichnet sich selbst als den schlechtesten Dichter und Cicero als den besten Anwalt aller Zeiten. Diese Antithese ist ironisch zu verstehen, weil er sich selbst wohl eher als besten Dichter und Cicero als schlechtesten Anwalt bezeichnen würde.

 

In diesem Gedicht dankt Catull Cicero überschwänglich. Der Grund für seinen Dank geht aus dem Gedicht nicht hervor. Dies könnte ein bewusst eingesetztes Stilmittel sein, um Verwirrung zu erzeugen und dazu führen, dass das aus dem Dank resultierende Lob nicht ernst genommen werden kann. Dazu kommt, dass Catull als Dichter wenig von juristischen Angelegenheiten verstand. Somit hat sein Lob keinen Wert und kann als Beleidigung aufgefasst werden.

 

 

 

1

Abschlussklassen

Verabschiedungen

Archiv

Catulls Carmen 49 – wenn ein überschwängliches Lob peinlich wird


Der Lateinschüler und die Lateinschülerinnen der 26g befassten sich mit einem Hendecasyllabus (Elfsilbler) des Dichters Gaius Valerius Catullus, einem Neoteriker des ersten Jahrhunderts v.u.Z.

 

Text Max Bratschi

 

Catull war Zeitgenosse von Caesar, Pompeius und Marcus Tullius Cicero. Cicero war Philosoph, Staatsmann und herausragender Jurist, der seine steile Karriere als homo novus – als Aufsteiger aus dem Ritterstand – im Jahre 63 mit dem Konsulat krönte. Wie sind die Zeilen zu verstehen? Lesen Sie hier einen Interpretationsvorschlag.

 

Lateinisches Original des Carmen 49

Disertissime Romuli nepotum,

quot sunt quotque fuere, Marce Tulli,

quotque post aliis erunt in annis,

gratias tibi maximas Catullus

agit pessimus omnium poeta,

tanto pessimus omnium poeta,

quanto tu optimus omnium patronus.

 

Deutsche Übersetzung

Marcus Tullius, Du redegewandtester aller Römer,
wie viele es gibt und gab und später in anderen Jahren geben wird:
Catull, der schlechteste Dichter von allen, dankt dir allerherzlichst,
der um so viel der schlechteste aller Dichter ist
um wie viel du der beste aller Verteidiger bist.

 

Interpretation von Léa Spart, Michelle Koch, Noam Christen, Leonie Baumgartner, Anna Zimmermann, Laura Stieglitz, Selma Frederiksen

Ab wann hat ein Lob keinen Wert mehr? Von aussen wirkt das Carmen 49 Cicero gegenüber sehr positiv. Je länger man sich jedoch damit befasst, desto mehr kann es als Beleidigung aufgefasst werden.

 

Catull und Cicero hatten sehr unterschiedliche politische Meinungen. Cicero war Politiker der Optimaten und einer der besten Anwälte der damaligen Zeit. Catull war Dichter und Neoteriker. Die von Cicero verabscheuten Neoteriker kritisierten das damalige politische System und stellten erstmals neue Ideen wie zum Beispiel menschliche Gefühle in ihren Gedichten in den Vordergrund.

 

Mit dem Stilmittel der Hyperbel, die besagt, dass Cicero der beste Anwalt der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft sei, unterstreicht Catull seine sarkastische Aussage. Er bezeichnet sich selbst als den schlechtesten Dichter und Cicero als den besten Anwalt aller Zeiten. Diese Antithese ist ironisch zu verstehen, weil er sich selbst wohl eher als besten Dichter und Cicero als schlechtesten Anwalt bezeichnen würde.

 

In diesem Gedicht dankt Catull Cicero überschwänglich. Der Grund für seinen Dank geht aus dem Gedicht nicht hervor. Dies könnte ein bewusst eingesetztes Stilmittel sein, um Verwirrung zu erzeugen und dazu führen, dass das aus dem Dank resultierende Lob nicht ernst genommen werden kann. Dazu kommt, dass Catull als Dichter wenig von juristischen Angelegenheiten verstand. Somit hat sein Lob keinen Wert und kann als Beleidigung aufgefasst werden.

 

 

 

Top