Editorial

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Eine Insel, von Lebewesen erschaffen


Eine Insel, von Lebewesen erschaffen


15 Schülerinnen und Schüler erkundeten im Rahmen des Ergänzungsfachs Biologie das Wattenmeer.

 

Text Fardo Goldstein

Fotos zvg von Fardo Goldstein

 

Wie der Amazonas-Regenwald in Südamerika und das Great Bariere Reef in Australien darf sich das Wattenmeer der Nordsee «UNESCO-Weltnaturerbe» nennen. Es ist, ebenfalls wie Amazonas und Great Barrier Reef, das grösste seiner Art. Es reicht von den Nordniederlande bis West Dänenmark; nirgendwo sonst auf der Welt findet man ein Wattenmeer dieser Grösse. Aber was ist ein Wattenmeer? Und wie funktioniert es? Schülerinnen und Schüler des Ergänzungsfach Biologie wollten dies herausfinden und reisten aus diesem Grund nach Spiekeroog.

 

Ein Wattenmeer ist ein Meer, von dem bei Niedrigwasser grosse Teile trocken liegen. Die bei Ebbe trockenfallenden Flächen bestehen aus Schlick und Sand: die Wattfläche. Abgegrenzt von der Nordsee ist das Wattenmeer durch die Wattinsel. Diese entstehen durch eine Kombination von abiotischen und biotischen Faktoren. Lebewesen, die eine Insel aufrichten? Genau! Das Ökosystem Wattenmeer ist verrückt.

 

Die Wattinsel unserer Wahl war Spiekeroog. Sie ist die am meisten naturbelassene der besiedelten Insel. Wie jede Wattinsel besteht sie aus vier Ökosystemen: dem Watt, den Salzwiesen, dem Dünen-Strand und der Nordsee.

 

Der erste Morgen auf der Insel war dem wohl unbekanntesten der Ökosysteme gewidmet: der Salzwiese. Die Pflanzen hier müssen mit regelmässigen Überflutungen rechnen und sind deswegen richtige Spezialistinnen. Wir sammelten (mit Handy-Kamera) die unterschiedlichen Pflanzenarten und identifizierten Anpassungsstrategien der Pflanzen an das Salzwasser. Je näher am Meer, je extremer die Umweltbedingungen und je weniger Arten konnte man finden.

 

Am Mittag erwartete uns das Highlight des Tages: Unter Begleitung von Carsten gingen wir auf das nahezu trockenliegende Watt selbst. Carsten ist ein Naturführer und begnadeter Redner. Von den kosmologisch gesteuerten Ebbe und Flut bis zum Einzeller fressenden Wattwurm konnte er uns das Watt näher bringen. Er regte uns an, uns wie stampfende Mantelmöwen zu verhalten, und in kürzester Zeit hatten wir eine reichliche Ernte an Herzmuscheln zu verzeichnen! Anschliessend wurden Wetten angenommen: Welche Muschel gräbt sich am schnellsten wieder ein?

 

Der nächste Morgen war stürmisch: viel Wind und manchmal Schauer. Perfekte Bedingungen, um von Carsten zu lernen, wie aus Sandbanken Dünenstrände entstehen. Der Wind spielt dabei, im Zusammenspiel mit der Binsen-Quecke und dem Strandhafer, die zentrale Rolle. Doch ohne diese Pflanzenarten hätten die Inseln gar nicht entstehen können. Diese unspektakulär aussehenden «Gräser» sind also richtige Geo-Ingenieure!

 

Bleibt noch die Nordsee. Die heldenhaften Freiwilligen Linda und Mira trotzten Wind und Wetter, um mit feinen Netzen für die ganze Gruppe Plankton einzusammeln. Zugegeben, es war kein schönes Badwetter. Aber immerhin: Nach dem Einsammeln wollten die beiden gleich zurück ins Wasser, «um jetzt richtig zu baden».

 

Mit Mikroskopen im Labor konnten wir dann die Basis des ganzen Ökosystem Wattenmeer mit eigenen Augen anschauen. Phyto- (pflanzlich) und Zooplankton (tierisch) tanzten im Bild. Sie mit der Kamera einzufangen und zu bestimmen, zeigte sich als grosse, aber überwindbare Herausforderung.

 

Am nächsten Tag schauten wir uns die Spitze der Nahrungskette an. Mit dem Fischkutter fischten wir Flundern vom Wattboden. Diese Fischart lauert gut getarnt am Meeresboden, bis ihre Beute vorbei schwimmt. Sie wird jedoch auch selbst gefressen, und zwar von den charismatischen Seehunden und Kegelrobben. Beide Meeressäuger konnten wir beobachten, wie sie mit ihren allerherzigsten Jungen am Strand beim Sonnenbaden waren, hätte es Sonne gegeben. Stattdessen zogen immer wieder Schauer vorbei.

 

Das Wetter im Wattenmeer ist wechselhaft. Wir hatten Sonne, Hitze, Wind und Regen. Unser Verbleib auf Spiekeroog wurde sogar wegen des Wetters verkürzt: Wegen Sturmwarnung wurde unsere vorgesehene Überfahrt zum Festland annulliert und wir mussten auf eine frühere Fähre umbuchen. Mantelmöwen, Säbelschnäbler und Eiderenten begleiten uns jedoch auch bei stürmischem Wetter weg aus dem «Wildnisparadiesli».

 

 

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Eine Insel, von Lebewesen erschaffen


15 Schülerinnen und Schüler erkundeten im Rahmen des Ergänzungsfachs Biologie das Wattenmeer.

 

Text Fardo Goldstein

Fotos zvg von Fardo Goldstein

 

Wie der Amazonas-Regenwald in Südamerika und das Great Bariere Reef in Australien darf sich das Wattenmeer der Nordsee «UNESCO-Weltnaturerbe» nennen. Es ist, ebenfalls wie Amazonas und Great Barrier Reef, das grösste seiner Art. Es reicht von den Nordniederlande bis West Dänenmark; nirgendwo sonst auf der Welt findet man ein Wattenmeer dieser Grösse. Aber was ist ein Wattenmeer? Und wie funktioniert es? Schülerinnen und Schüler des Ergänzungsfach Biologie wollten dies herausfinden und reisten aus diesem Grund nach Spiekeroog.

 

Ein Wattenmeer ist ein Meer, von dem bei Niedrigwasser grosse Teile trocken liegen. Die bei Ebbe trockenfallenden Flächen bestehen aus Schlick und Sand: die Wattfläche. Abgegrenzt von der Nordsee ist das Wattenmeer durch die Wattinsel. Diese entstehen durch eine Kombination von abiotischen und biotischen Faktoren. Lebewesen, die eine Insel aufrichten? Genau! Das Ökosystem Wattenmeer ist verrückt.

 

Die Wattinsel unserer Wahl war Spiekeroog. Sie ist die am meisten naturbelassene der besiedelten Insel. Wie jede Wattinsel besteht sie aus vier Ökosystemen: dem Watt, den Salzwiesen, dem Dünen-Strand und der Nordsee.

 

Der erste Morgen auf der Insel war dem wohl unbekanntesten der Ökosysteme gewidmet: der Salzwiese. Die Pflanzen hier müssen mit regelmässigen Überflutungen rechnen und sind deswegen richtige Spezialistinnen. Wir sammelten (mit Handy-Kamera) die unterschiedlichen Pflanzenarten und identifizierten Anpassungsstrategien der Pflanzen an das Salzwasser. Je näher am Meer, je extremer die Umweltbedingungen und je weniger Arten konnte man finden.

 

Am Mittag erwartete uns das Highlight des Tages: Unter Begleitung von Carsten gingen wir auf das nahezu trockenliegende Watt selbst. Carsten ist ein Naturführer und begnadeter Redner. Von den kosmologisch gesteuerten Ebbe und Flut bis zum Einzeller fressenden Wattwurm konnte er uns das Watt näher bringen. Er regte uns an, uns wie stampfende Mantelmöwen zu verhalten, und in kürzester Zeit hatten wir eine reichliche Ernte an Herzmuscheln zu verzeichnen! Anschliessend wurden Wetten angenommen: Welche Muschel gräbt sich am schnellsten wieder ein?

 

Der nächste Morgen war stürmisch: viel Wind und manchmal Schauer. Perfekte Bedingungen, um von Carsten zu lernen, wie aus Sandbanken Dünenstrände entstehen. Der Wind spielt dabei, im Zusammenspiel mit der Binsen-Quecke und dem Strandhafer, die zentrale Rolle. Doch ohne diese Pflanzenarten hätten die Inseln gar nicht entstehen können. Diese unspektakulär aussehenden «Gräser» sind also richtige Geo-Ingenieure!

 

Bleibt noch die Nordsee. Die heldenhaften Freiwilligen Linda und Mira trotzten Wind und Wetter, um mit feinen Netzen für die ganze Gruppe Plankton einzusammeln. Zugegeben, es war kein schönes Badwetter. Aber immerhin: Nach dem Einsammeln wollten die beiden gleich zurück ins Wasser, «um jetzt richtig zu baden».

 

Mit Mikroskopen im Labor konnten wir dann die Basis des ganzen Ökosystem Wattenmeer mit eigenen Augen anschauen. Phyto- (pflanzlich) und Zooplankton (tierisch) tanzten im Bild. Sie mit der Kamera einzufangen und zu bestimmen, zeigte sich als grosse, aber überwindbare Herausforderung.

 

Am nächsten Tag schauten wir uns die Spitze der Nahrungskette an. Mit dem Fischkutter fischten wir Flundern vom Wattboden. Diese Fischart lauert gut getarnt am Meeresboden, bis ihre Beute vorbei schwimmt. Sie wird jedoch auch selbst gefressen, und zwar von den charismatischen Seehunden und Kegelrobben. Beide Meeressäuger konnten wir beobachten, wie sie mit ihren allerherzigsten Jungen am Strand beim Sonnenbaden waren, hätte es Sonne gegeben. Stattdessen zogen immer wieder Schauer vorbei.

 

Das Wetter im Wattenmeer ist wechselhaft. Wir hatten Sonne, Hitze, Wind und Regen. Unser Verbleib auf Spiekeroog wurde sogar wegen des Wetters verkürzt: Wegen Sturmwarnung wurde unsere vorgesehene Überfahrt zum Festland annulliert und wir mussten auf eine frühere Fähre umbuchen. Mantelmöwen, Säbelschnäbler und Eiderenten begleiten uns jedoch auch bei stürmischem Wetter weg aus dem «Wildnisparadiesli».

 

 

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