Das Abschlusstheater von Gymnasium und FMS Thun hat sich den alten Griechen König Ödipus vorgenommen – in einer bestens verdaulichen Fassung von Bodo Wartke.
Text Christiana Burghagen, Thuner Tagblatt
Fotos PD Gymnasium FMS Thun
Millionen von Menschen trugen ihre ersten Stirnfalten schon in der Schule davon. Dann nämlich, wenn im Deutsch-Unterricht alte Klassiker durchgenommen wurden, die vor unverständlicher Sprache und nebulöser Verstrickungen nur so strotzten.
Gar nicht stirnrunzelnd sassen vor über einem Jahr die Leitenden des Abschlusstheaters von Gymnasium und Fachmittelschule (FMS) Thun, Erich Binggeli und Sam Linder, in Bern in einer Aufführung von Bodo Wartke mit seiner Version von «König Ödipus». Der deutsche Musikkabarettist hatte die dicke Staubschicht vom Text gepustet und brillierte in allen 14 Rollen.
Hellauf begeistert, beschlossen Binggeli und Linder, diese Fassung nach Sophokles mit dem Abschlusstheater auf die Bühne des Schadausaals im KKThun zu bringen. Denn all die Rollen liessen sich wunderbar auf viele Darstellende verteilen, und diese trotz aller Dramatik höchst amüsante Adaption eignete sich sowieso.
Strampelndes Orakel
Für das Bühnenbild von Sam Linder wurden etliche Turngeräte von der Schule ins KKThun geschleppt. Schliesslich ist Griechenland die Wiege der Olympischen Spiele. Da wundert es nicht weiter, dass das Orakel von Delphi auf dem Hometrainer strampelt, der Turnbock als Pferd dient, auf Turnmatten gestorben wird oder Kämpfe im Boxring ausgetragen werden.
Bodo Wartke schrieb das Grusswort im informativen Programmheft, produziert von den Leitern des Projekts sowie Milla Räz. Dort erklärt der Künstler, dass er als 15-Jähriger in der Schule ziemlich unter dem Klassiker gelitten habe und diese Fassung schrieb, wie er sie sich gewünscht hätte.
Er zitiert munter Goethe, Schiller, Eichendorff oder Rumpelstilzchen, kalauert «Sphinx – wie Pfingsten mit S» oder «Iokaste, was haste?» und reimt, auf Teufel komm raus, «Wer jetzt glaubt, alles wäre in Butter, der wusste nicht, seine Frau war seine Mutter».
Starke lautmalerische Wortspiele wie der heuchelnde Meuchler, der verwirrte Hirte irrte, Samma, das is’ ja der Hamma oder verpiss dich – längerfristig, ziehen sich amüsant durch die haarsträubende Geschichte. Auch die schlichte Botschaft an Ödipus «Du bist in Wahrheit ein Mother-F-piep-cker» sorgt für Komik
Das Blöde an einer Tragödie
Tanzeinlagen sowie Musik von Hip-Hop bis zum Gesang von Sancho Waber und Valentin Stauch unter der Leitung von Christa Gerber komplettieren die freche und höchst unterhaltsame Inszenierung. «Das Blöde an einer Tragödie – sie hat nie einen schönen Schluss», heisst es gegen Ende.
Doch das Ensemble schickt sein Publikum mit einem Lied auf den Lippen nach Hause. Und endlich haben alle die tragischen Verwandtschaftsverhältnisse von Ödipus verstanden. «Seit wir die Theaterprojekte leiten, ist uns das Zusammenspiel von Komik und Tragik bei den Inszenierungen wichtig», erzählen Erich Binggeli und Sam Linder im Gespräch.


















































